Odenwälder Echo vom 24.07.2010

24. Juli 2010  | Von Gerhard Grünewald

Im Laufenlassen eiliger als im Laufen

Hans Joachim Schmidt: Der Güttersbacher ist längst ein geübter Sportorganisator, als er selbst mit dem Rennen beginnt


GÜTTERSBACH. 

Meilensteine für die Odenwälder Volkslaufszene setzt Hans Joachim Schmidt vom Skiclub Güttersbach (hier vor dem Hintergrund seines Heimatdorfes), und sei es ausnahmsweise nur mit der Anbringung oder Kontrolle der Kilometerschildchen entlang der örtlichen Wettkampfstrecke. Foto: Guido Schiek
Ob in Fernseh-Talkshows oder den Ratgeber-Rubriken von Zeitschriften, ob in den Beratungskreisen der Politik oder in den Strategiezirkeln der Wirtschaft - überall treten Zeitgenossen auf, die uns als unfehlbare Fachleute angepriesen werden. Allerdings kommen deren Beiträge für uns meist reichlich theoretisch daher - im Vergleich zu den Leistungen jener Mitmenschen, deren Kompetenz sich in tatsächlichen Ereignissen oder Strukturen zeigt. Das sind für uns die wahren Experten, die Publizität verdient haben. Ihnen widmen wir diese ECHO-Serie - mit der beispielhaften Vorstellung einiger dieser Macher.

Der Güttersbach-Lauf
Die Ausgabe 2010 des Güttersbacher Volkslaufes wird am Samstag, dem 7. August, ab 15.15 Uhr mit Start und Ziel am Feuerwehrhaus des Mossautaler Ortsteils ausgetragen. Die Hauptläufe über 10,5 Kilometer und die Halbmarathon-Distanz beginnen um 17 und 17.10 Uhr. Über alle Details informiert der Internetauftritt www.sc-guettersbach.de

,,Selbst unter die Läufer gegangen bin ich erst vor zwei Jahren", bekennt Hans Joachim Schmidt lachend und freut sich über ungläubige Reaktionen auf dieses Eingeständnis. Auf die trifft der 51 Jahre alte Polizeibeamte sicher auch deshalb, weil er ziemlich flott rennt. Vor allem aber erklären sie sich daraus, dass er seit 16 Jahren den Güttersbacher Volkslauf organisiert - und dessen Platzierung unter den größten Ereignissen des aktiven Breitensports in der Region damit zu weiten Teilen einem Passiven geglückt ist.
Immerhin: Zugeschaut hat der verheiratete Vater zweier Töchter den Ausdauersportlern schon immer gern - erst seinem Vater Karl-Heinz (73), der als Geher zu beachtlichen Erfolgen eilte, dann seinem 2002 gestorbenen Nachbarn und Freund Jürgen Kiehl, der vor seinem frühen Krebstod in der südhessischen Läuferszene eine Größe war. ,,Da habe ich den Jürgen halt oft zu den Wettkämpfen begleitet", erinnert sich Schmidt an die Zeit, als sein Kumpel die seltene Kombination eines rennenden Küchenmeisters und Gastronomen verkörperte.
Beim geselligen Beisammensein nach einem dieser Läufe, auf dem Michelsmarkt in Reichelsheim, war es dann so weit: ,,Das können wir doch auch", habe Jürgen Kiehl aus einer Bierlaune heraus gesagt - und damit den eigenen Ehrgeiz und den seiner Freunde geweckt. Wobei sich Hans Joachim Schmidt insofern besonders angesprochen fühlen musste, als er dem einzigen Sportverein des Heimatorts vorstand, der allerdings kein Lauf-, sondern ein Skiclub ist.
,,Mich hat die Idee dennoch gleich gereizt", berichtet Schmidt, ,,aber unter den gegebenen Vorzeichen wollte im Verein erst einmal Überzeugungsarbeit geleistet sein". Die glückte dem Polizeibeamten mit einem kleinen Trick: Der Hinweis, dass der SC Güttersbach zu seinem zehnjährigen Bestehen doch einmal etwas ganz Neues bieten solle, führte zum Einlenken der Kameraden. ,,Zum Glück", so Schmidt, ,,denn heute begründet der Volkslauf zu einem Gutteil inneren Zusammenhalt wie äußeren Bekanntheitsgrad unseres Klubs."
Diese Entwicklung war nach Überzeugung des Güttersbachers nur möglich, weil mit ihm erst Jürgen Kiehl, dann neue Mitstreiter wie Matthias Gerlach diese Veranstaltung stets ambitioniert verfolgten: ,,Wenn wir das machen, dann richtig", habe er vor der Premiere gesagt, bekräftigt Schmidt. Und das bedeute für ihn konkret, dass allen Beteiligten etwas geboten und vor allem für die Jugend etwas getan wird. ,,Ergo haben Schüler bei uns von je her freien Start, und bei den Erwachsenen gibt es nicht nur für die Sieger Anerkennung." Die Vergabe attraktiver Preise auch für Platzierte stärke den Charakter eines Volkslaufes. ,,Einen weiteren entscheidenden Sprung in diesem Sinn haben wir mit der Einführung einer Finishermedaille für jeden Teilnehmer getan", weiß Schmidt. Schließlich erbrächten gerade Durchschnittsläufer und Neulinge für ihre Verhältnisse großartige Leistungen, an die sie auch eine Erinnerung verdient hätten. ,,Deshalb gehört es sich ebenfalls, für einen schnellen Ergebnisdienst und allgemein zugreifbare Bilder vom Lauf zu sorgen", so der Organisator.
Die Qualität allerdings hat auch ihren Preis. Zum Beispiel lässt sich das Resultate-Management bei einem Läuferfeld von rund 600 Sportlern ohne professionellen Partner kaum sicher bewerkstelligen. Also bedient sich der SC Güttersbach einer Zeitnahme- und Erfassungsfirma, deren Dienste er sich einen vierstelligen Betrag kosten lässt. ,,Bei all den Ausgaben kann man sich bei den Erlösen auf das Startgeld allein nicht verlassen", weiß der SC-Vorsitzende, ,,der Bestand eines solchen Ereignisses hängt von den Sponsoren ab".
An dieser Stelle lässt es Schmidt an einem Lob für die Unterstützer des Güttersbacher Laufs nicht fehlen, macht aber auch keinen Hehl daraus, dass an einer solchen Förderung gearbeitet sein will: ,,Sponsorengespräche führe ich praktisch das ganze Jahr lang." Erfolg in Hinsicht auf den stets Anfang August terminierten Laufs müssen sie erstmals im Frühsommer zeigen, wenn das Einladungs-Faltblatts entsteht. ,,Das bringen wir in 2000 Exemplaren hauptsächlich bei anderen Volksläufen unter die Leute", so der SC-Vorsitzende.
Parallel dazu beginnt die Einstellung des Internetauftritts auf den bevorstehenden Lauf. ,,Eine informative ansprechende und nutzerfreundiche Webpräsenz ist heute das A und O des Läuferzuspruchs", sagt Schmidt, der die SC-Seiten selbst pflegt. Leere Versprechungen im Internet nutzten allerdings wenig, weil nichts einem Lauf auf Dauer mehr schade als enttäuschte Sportler. Also stimmt sich der Cheforganisator in den Wochen vor dem Wettkampf mit Feuerwehr und Rotem Kreuz ab, auf dass deren Fachleute die Sicherheit der Teilnehmer gewährleisten. Die Strecke präparieren derweil Vater Schmidt und sein Team mit einem eigens angeschafften Quad; sie ist schon Wochen vor dem Rennen für Trainingszwecke hergerichtet.
Den Service an der Strecke sowie im Start- und Zielbereich übernimmt der Skiclub selbst, wofür es ihm nach wie vor gelingt, viele Dutzende von Mitwirkenden zu gewinnen. ,,Das hat sicher mit dem Gemeinschaftsgefühl zu tun, das wir mit T-Shirt und Dankeschönabend erzeugen, aber auch mit dem Wissen um die Bedeutung der Veranstaltung für das Ansehen Güttersbachs", sagt Schmitt nicht ohne Hinweis auf den besonderen Anspruch an die Helfer: ,,Sie erhalten allesamt eine umfassende Einweisung, damit sie unseren Gästen in allen Fragen weiterhelfen können - und sich auch dessen bewusst sind, was ein solcher Lauf für die Teilnehmer bedeutet."
Dem Sportlern auf keinen Fall zumuten will der SC-Vorsitzenden nämlich Teilnahmslosigkeit, wofür es wiederum nicht mit der Anweiserrolle bewenden lässt: Zusammen mit Matthias Gerlach besorgt er eine immer frische und gut orientierte Kommentierung.